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Aktuelle Entwicklungen
Schon seit Ende 2006 zeichnet sich ab, wie sich die Landschaft der nordrhein-westfälischen Bahntrassenwege in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird. Im folgenden sollen zwei Initiativen näher vorgestellt werden, die inzwischen in einer breiten Diskussion stehen, nachdem Informationen anfangs nur bruchstückhaft an die Öffentlichkeit gelangt waren.
Landesinitiative "Alleenradwege auf stillgelegten Bahntrassen"
Grundlage der Landesinitiative zur Umwandlung ca. 360 km stillgelegter Bahntrassen zu Radwegen ist eine Studie des Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung und Bauwesen des Landes Nordrhein-Westfalen (ILS NRW), in der 42 Strecken mit einer Länge von 560 km untersucht wurden. Bei der Auswahl der Strecken war ausschlaggebend, dass sie zumindest teilweise in einer der von der BEG betreuten Poolgemeinden liegen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass auf 268 km die Einrichtung eines Radwegs "unbedingt" und auf weiteren 245 km "grundsätzlich" zu empfehlen sei (Quelle: ils-journal 1/2007).
Am 16. Oktober 2007 wurde ein gemeinsamer Antrag "Landesinitiative 'Alleenradwege auf stillgelegten Bahntrassen'" der Landtagsfraktionen von CDU und FDP als Drucksache 14/5215 veröffentlicht und in der Plenarsitzung vom 25. Oktober mit den Stimmen der beiden Fraktionen beschlossen. Ein zu diesem Tagesordnungspunkt gestellter Entschließungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Ziel verstärkt Wirtschaftswege entlang linienförmiger Infrastruktureinrichtungen auszubauen (Drucksache 14/5270 vom 23. Oktober) fand keine Mehrheit (nachzulesen unter www.landtag.nrw.de).
Übersichtskarte: stillgelegte Bahnstrecken in NRW, die im "Alleenprogramm" als Radweg ausgebaut werden sollen bzw. im Vorfeld auf eine Eignung als Radweg untersucht wurden rot: Strecken im "Handlungsprogramm Aleenradwege"; grau: untersuchte Trassen, die nicht ausgebaut werden
grün: Strecken der ILS-Studie, die bereits Radweg sind; blau: Ausbau außerhalb "Handlungsprogramm Alleenradwege"

Der im Oktober beschlossene Antrag zu den Alleenradwegen enthielt einen Auftrag an die Landesregierung für ein Handlungs- und Maßnahmenkonzept und somit keine Aussagen über betroffene Strecken oder Kosten. Eine Durchsicht der im Rahmen der Studie untersuchten Strecken zeigte, dass fast die Hälfte eine Verlängerung oder qualitative Aufwertung bereits bestehender Wege darstellt und sich hier einige Trassen wiederfinden, für die schon länger eine Nutzung als Radweg im Gespräch war. Die genannte Zahl von rund 600 km stillliegender Bahnstrecken bezieht sich ausschließlich auf die untersuchten Strecken, die tatsächliche Gesamtlänge für Nordrhein-Westfalen ist um einiges höher. Insbesondere der Kernbereich des Ruhrgebiets bleibt an dieser Stelle weitgehend ausgespart.
Das Vorhaben "Alleenradwege" wurde im Frühjahr 2008 verdichtet und im Juni 2008 im Rahmen einer Pressekonferenz des Ministeriums für Bauen und Verkehr sowie einer Infoveranstaltung der BahnflächenEntwicklungsGesellschaft der Öffentlichkeit vorgestellt. Damit steht fest, welche der Strecken ausgebaut werden sollen. Außerdem enthält das Programm Angaben zu einem groben Zeithorizont (Handlungsprogramm für Wege, die in 2008 begonnen werden könnten, Handlungskonzept für die Folgejahre) und den möglichen Finanzierungsquellen. Im Vergleich zur ursprünglichen Studie sind erwartungsgemäß einige Trassen herausgefallen, mit der Sülztalbahn bei Lindlar, der Balkantrasse in Burscheid und Wermelskirchen und Teilen der Bahnstrecke Jünkerath Losheim aber auch neue Abschnitte hinzugekommen.
Im nordrhein-westfälischen Ausbauprogramm für Landesstraßen 2008 wurden für den Bau ausgewählter Alleenradwegen auf ehemaligen Bahntrassen 1,5 Millionen Euro veranschlagt (1,1 % der Gesamtinvestitionen des Programms). Das Handlungsprogramm 2008 sieht 13 Bauvorhaben mit einer Länge von 56 km und einem Volumen von 12,7 Mio. Euro vor. Für die Folgejahre sind bis 2011 weitere 59 Projekte (307 km, 58 Mio. Euro) aufgeführt.
Im Winter 2008/09 sind die ersten Bauvorhaben begonnen worden oder stehen unmittelbar vor dem Start, so z. B. die "Schlossallee" im Münsterland. Im Programm "Föderung des kommunalen Straßenbaus 2009" des Landes sind die als nächstes anstehenden Vorhaben eingeplant, darunter der zweite Abschnitt der "Schlossallee", die Alleenradweg Niederbergbahn, Balkantrasse und Wasserquintett oder die Fortführung des Radwegs auf der Trasse des "Rheinischen Esels".
> www.flaechenentwicklung.de
Tabelle 1: Liste der Bahnstrecken im Umfeld der Landesinitiative Alleenradwege
| Nr. |
|
Strecke |
Länge |
ILS |
Alleen |
|
Bemerkung |
| 1743 |
|
Landesgrenze Rahden |
6 km |
X |
- |
|
Museumsbahn! |
| 2002 |
NW 2.06 |
Haltern Wesel |
35 km |
X |
2009+ |
|
in Abschnitten bereits Radweg; ältere Planung |
| 2003 |
|
Büderich |
3 km |
X |
- |
|
|
| 2003 |
|
Menzelen Straelen |
25 km |
X |
- |
|
|
| 2112 |
NW 3.27 |
Welwer Unna-Königsborn |
19 km |
X |
2009+ |
|
in Abschnitten bereits Radweg |
| 2141 |
NW 3.21 |
Bochum-Langendreer Witten Ost |
4 km |
X |
2009+ |
|
Verlängerung bestehender Weg |
| 2143 |
NW 4.05b |
Witten Höhe Gevelsberg West |
12 km |
X |
- |
|
ältere Planung |
| 2262 |
|
Bottrop Nord Dorsten |
13 km |
X |
2009+ |
|
|
| 2273 |
NW 2.07 |
Lutum Rheine |
39 km |
X |
2008+ |
|
ältere Planung |
| 2330 |
|
Xanten Kleve |
24 km |
X |
2009+ |
|
|
| 2400 |
|
Hattingen Herbede (2. Gleis) |
10 km |
X |
2009+ |
|
|
| 2423 |
|
Schwelm-Loh Gevelsberg West |
3 km |
X |
- |
|
|
| 2501 |
|
Krefeld Süd Mönchengladbach |
14 km |
X |
2009+ |
|
|
| 2512 |
NW 1.02 |
Grefrath Kaldenkirchen |
10 km |
X |
2008 |
|
Verlängerung bestehender Weg |
| 2513 |
|
Dülken Waldniel |
6 km |
X |
- |
|
|
| 2572 |
NW 1.07 |
Walheim Schmidthof (2. Gleis) |
4 km |
X |
- |
|
Verlängerung bestehender Weg |
| 2580 |
|
Bedburg Merzenich |
16 km |
X |
2008+ |
|
|
| 2606 |
|
Erftstadt |
1 km |
X |
- |
|
|
| 2610 |
|
Kleve Kranenburg |
12 km |
X |
- |
|
als Draisinenstrecke genutzt |
| 2657 |
NW 4.21 |
Dieringhausen Olpe |
28 km |
X |
2008+ |
|
in kleinen Teilbereichen bereits ausgebaut; ältere Planung |
| 2657 |
NW 4.19 |
Siegburg Lohmar |
6 km |
X |
2009+ |
|
in Siegburg bereits Radweg; ältere Planung |
| 2663 |
NW 4.17 |
Hommerich Lindlar |
9 km |
- |
2008 |
|
|
| 2700 |
NW 4.11 |
Remscheid-Lennep Bergisch Born |
4 km |
X |
2009+ |
|
ältere Planung |
| 2706 |
|
Remscheid Bliedinghausen |
2 km |
X |
- |
|
|
| 2707 |
NW 4.13 |
Bergisch Born Marienheide |
26 km |
X |
2009+ |
|
zw. Wipperfürth und Marienheide bereits Radweg; ältere Planung |
| 2724 |
NW 4.03 |
Oberdüssel Heiligenhaus |
25 km |
X |
2008 |
|
in Heiligenhaus teilw. begeh-/befahrbar |
| 2816 |
|
Hagen Ennepetal-Altenvoerde |
12 km |
X |
- |
|
|
| 2850 |
NW 4.23 |
Hemer Menden |
6 km |
X |
2009+ |
|
Verlängerung bestehender Weg
soll reaktiviert werden; die Option Radweg bleibt bestehen, falls nach der Landesgartenschau kein dauerhafter Verkehr möglich ist |
| n.v. |
|
Hemer Sundwig |
1 km |
X |
- |
|
|
| 2854 |
NW 4.28 |
Winterberg Hallenberg |
16 km |
X |
2009+ |
|
teilw. bereits ausgebaut |
| 2860 |
|
Plettenberg Holthausen |
4 km |
X |
- |
|
|
| 2861 |
NW 4.25 |
Finnentrop Wennemen |
35 km |
X |
2008+ |
|
teilw. bereits ausgebaut |
| 2862 |
NW 4.25 |
Schmallenberg Wenholthausen |
22 km |
X |
- |
|
größtenteils bereits ausgebaut |
| 2863 |
NW 4.29 |
Altenhundem Birkelbach |
1,5 km |
X |
2009+ |
|
|
| 2864 |
NW 4.22 |
Olpe Rothemühle |
11 km |
X |
- |
|
Verlängerung bestehender Weg |
| 2951 |
NW 2.11 |
Benteler Rheda-Wiedenbrück |
14 km |
X |
2009+ |
|
Verlängerung bestehender Weg |
| 2951 |
NW 2.11 |
Lippstadt |
1 km |
X |
- |
|
Verlängerung bestehender Weg |
| 2962 |
NW 5.08 |
Paderborn Nord Marienloh |
4 km |
X |
- |
|
Verlängerung bestehender Weg |
| 2973 |
|
Scherfede Lüchtringen |
23 km |
X |
2009+ |
|
|
| 2982 |
|
Rahden Landesgrenze |
11 km |
X |
- |
|
|
| 3003 |
|
Kronenburg Losheim |
8,5 km |
- |
2009+ |
|
nur Abschnitte in NRW |
| n.v. |
NW 1.13 |
Neuss Rommerskirchen |
13 km |
X |
- |
|
mit Einschränkungen bereits befahrbar |
| n.v. |
|
Geldern Kamp-Lintfort |
14 km |
X |
- |
|
|
| 48 |
BEL 48 |
Raeren Roetgen |
5 km |
X |
- |
|
Trasse belgisches Gebiet; ältere Planung: soll in Zusammenarbeit mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens ausgebaut werden: Interreg IVa |
Alle Angaben ohne Gewähr.
Bahnstrecken und Landschaften erleben e.V.
Im Umfeld der BahnflächenEntwicklungsGesellschaft wurde Anfang Juni 2007 der Verein "Bahnstrecken und Landschaften erleben e.V." gegründet. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, die zahlreichen kleinen technischen Relikte an Bahnstrecken zu erhalten, die zu Rad- oder Draisinenstrecken umgewandelt werden. Durch die Instandsetzung von Signalen, Weichen, Prellböcken u. a. soll die Erinnerung an die Bahnvergangenheit lebendig gehalten und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität der früheren Bahnflächen gesteigert werden.
Der Verein will landesweit tätig werden, ein Verweis im Vereinsprospekt auf nur 600 km stillgelegte Bahnstrecken in NRW legt aber eine enge Verbindung zum Alleenradwege-Programm des Landes nahe. In einem ersten Projekt wird der Bau des Radwegs Coesfeld Rheine begleitet, im Herbst 2008 sind Aktivitäten rund um den "Rheinischen Esel" in Witten hinzugekommen.
> www.bahnstrecken-erleben.de
Bergischer Trassenverbund / Panorama-Radwege
Während der Ausbau einzelner, auch längerer stillliegender Bahntrassen zu touristischen Radwegen inzwischen weit verbreitet ist, ist die Verknüpfung dieser Wege zu Rundkursen oder Netzstrukturen in Deutschland noch eine recht neue Entwicklung. Die meisten bisherigen Beispiele, wie der SauerlandRadring, die Dampflokrunde im Allgäu, das Bahntrassenwegenetz in der Westeifel/Ostbelgien oder der BahnRadweg Hessen liegen im ländlichen Raum. Ansätze zur Vernetzung von Bahntrassenwegen in Ballungsräumen finden sich im Ruhrgebiet.
Vor diesem Hintergrund kommt dem Projekt „Bergischer Trassenverbund“, bei dem vorhandene wie neu zu bauende Bahntrassenwege mit siedlungsnahen und landschaftlich reizvollen Abschnitten zu einem im ersten Entwurf über 100 km langen Netz zusammengefügt werden sollten, eine besondere Bedeutung zu. Eine entsprechende Vereinbarung wurde im Oktober 2007 von den Städten Haan, Mettmann, Remscheid, Schwelm, Solingen, Sprockhövel und Wuppertal sowie dem Regionalverband Ruhr (RVR) unterzeichnet.
Zentrales Glied ist ein Radwanderweg auf der Wuppertaler Nordbahntrasse, dessen Bau durch die WupperTalBewegung e.V. mit einem beispiellosen Engagement vorangetrieben wird. Am Nordhang des Tals der Wupper gelegen wird er mit zahlreichen Tunneln und Viadukten zum wichtigsten Rückgrat eines künftigen Radroutennetzes der Stadt werden. Nach Süden sollen drei im Rahmen der Regionale 2006 entstandenen Bahntrassenwege angebunden werden: die Korkenziehertrasse in Solingen, die Sambatrasse in Wuppertal und die Trasse des Werkzeugs in Remscheid. Über eine weitere inzwischen ebenfalls ausgebaute Strecke in Solingen wurde der Brückenpark Müngsten und indirekt das Straßenbahnmuseum Kohlfurth einbezogen, südöstlich von Remscheid ergeben sich Anknüpfungspunkte zu geplanten und vorhandenen Bahntrassenwegen bis Marienheide oder Radevormwald im Oberbergischen Land. Ausgehend vom östlichen Ende des Wuppertaler Nordbahnweges ist eine Verbindung zum unter der Federführung des Regionalverband Ruhr entstehenden Radwegenetz „Von Ruhr zur Ruhr“ angestebt.
Übersichtskarte: Die Panorama-Radwege als fehlendes Puzzlestück im Radroutennetz Nordrhein-Westfalsens

Dieser usprüngliche Trassenverbund wurde jetzt zu einem 300 km langen Netz aus vier Panorama-Radwegen erweitert, der sich bis ins Sauerland und nördliche Rheinland-Pfalz erstreckt. Der Bahntrassenanteil im Gesamtnetz liegt bei über 55 %, erste Strecke wie der PanoramaRadweg niederbergbahn oder zwei Bauabschnitte des Alleenradwegs Wasserquintett sind bereits fertig, das Gesamtsystem soll bis 2013 verwirklicht werden. Im Juni 2011 wurde zur Umsetzung und gemeinsamen Vermarktung der Panorama-Radwege eine Kooperationsvereinbarung zwischen den Projektpartnern Bergische Entwicklungsagentur, Kreis Mettmann, Naturarena Bergisches Land, Ruhr Tourismus und Sauerland-Tourismus geschlossen. 2012 werden weitere wichtige Bahntrassenwege im Verbund baulich fertig getsllt, so z. B. ein Teil der Balkantrasse, der dritte Bauabschnitt des Alleenradwegs Wasserquintett und der Alleenradweg Eslohe Wennemen. Außerdem wird der essentielle Wegeringhausener Tunnel zwischen Bergneustadt und Drolshagen geöffnet.
> www.bergischer-trassenverbund.de
> www.panorama-radwege.bahntrassenradeln.de
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